Stelle/Landkreis Harburg. Der Kühlschrank ist voll, und wieder einmal wurden zu viele Lebensmittel eingekauft. Das Brot ist nicht mehr frisch, die Wurst liegt schon lange, und der Käse hat das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten – also lieber alles wegwerfen? Diese Situation kommt häufig vor, obwohl viele der Lebensmittel noch genießbar sind. „Es werden viel zu viele Lebensmittel verschwendet, gerade auch solche, die noch verwertbar sind“, betont Jörg Klenner von der Abfallwirtschaft des Landkreises Harburg.
Die Europäische Woche der Abfallvermeidung möchte auf diese Problematik hinweisen. Vom 16. bis 24. November steht sie unter dem Motto „Bis zum letzten Krümel“. Auch die Abfallwirtschaft im Landkreis Harburg greift dieses Motto auf. „Wir möchten die Menschen sensibilisieren und unterstützen die Kampagne. Schließlich verschwenden wir täglich zu viel. Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen trägt aktiv zum Klimaschutz bei, schont Ressourcen – und auch den Geldbeutel“, erklärt Klenner.
Die Zahlen sind alarmierend: Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden allein in Deutschland jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. In der EU sind es insgesamt 60 Millionen Tonnen. Über die Hälfte davon stammt aus privaten Haushalten. Durchschnittlich wirft jeder Deutsche pro Jahr etwa 78 Kilogramm Lebensmittel weg. Hinzu kommen Nahrungsmittel, die bereits in der Landwirtschaft oder im Handel aussortiert werden, weil sie optischen Anforderungen nicht entsprechen. Diese Lebensmittel wurden praktisch für den Müll produziert. Auch im Landkreis Harburg wird dieser Abfall im Haus- und Biomüll immer wieder festgestellt.
Das Umweltbundesamt schätzt, dass durch die Reduzierung von Lebensmittelabfällen in Deutschland etwa 2,6 Millionen Hektar Ackerfläche eingespart werden könnten – das entspricht fast 15 Prozent der gesamten Anbaufläche und ist vergleichbar mit der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland zusammen. Zudem verursachen die vermeidbaren Lebensmittelabfälle in der EU jährlich so viele klimaschädliche Emissionen wie die gesamten Niederlande.
Die Aktionswoche soll darauf aufmerksam machen, Lebensmittel nicht zu verschwenden. „Das liegt in unserer eigenen Hand“, sagt Klenner. „Jeder kann dazu beitragen.“ Der Landkreis Harburg möchte die Menschen dazu anregen, etwas zu verändern. Oft sind es einfache Maßnahmen, die viel bewirken können. „Schon durch planvolles Einkaufen könnten wir viel verhindern“, so Klenner. „Ein Einkaufszettel hilft dabei, nur das zu kaufen, was wirklich benötigt und rechtzeitig verbraucht wird.“
Lebensmittel werden häufig weggeworfen, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist. Doch dieses Datum bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Produkte unbrauchbar sind. Vielmehr sollte ihre Qualität geprüft werden, bevor sie weggeworfen werden. „Vertrauen Sie auf Ihre Sinne – Geruch und Geschmack können viel über die Genießbarkeit verraten“, rät Klenner. Nur bei schnell verderblichen tierischen Produkten wie Fleisch und Fisch sollte das Verbrauchsdatum strikt beachtet werden. Auch beim Einkaufen lässt sich Abfall vermeiden: Obst und Gemüse sind oft trotz kleiner optischer Makel oder ungewöhnlicher Größe genießbar. Der bewusste Einkauf ist ein wichtiger Schritt, um auch den Handel zum Umdenken zu bewegen.
Wer Reste retten möchte, kann die App „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft nutzen. Sie bietet rund 800 Rezepte für übriggebliebene Zutaten und zeigt, wie diese sinnvoll verwendet werden können. Die Europäische Woche der Abfallvermeidung ist seit 2009 die größte europäische Kampagne zur Abfallvermeidung und Wiederverwendung. Sie setzt sich nicht nur für weniger Abfall, sondern auch für einen nachhaltigen Konsum ein. (dh/ein)











