Stelle. Wer kein eigenes Auto hat, kennt das Problem: Der Weg zum Arzt, zum Supermarkt oder zum Bahnhof wird schnell zur Herausforderung. In Stelle gibt es dafür seit mittlerweile vier Jahren eine flexible Lösung – und die hat sich still und leise zum Erfolgsmodell entwickelt. Das Anrufsammeltaxi AST-Stelle ist längst mehr als ein Notnagel für Menschen ohne Auto: Es ist für viele ein fester Bestandteil des Alltags.
Gestartet ist das Angebot im Oktober 2020 – mitten in der Corona-Pandemie. Die Nutzung war damals noch überschaubar: Nur 34 Fahrten im Monat zählte die Gemeinde im Jahr 2021. Doch seither hat sich einiges getan. Inzwischen buchen im Schnitt 131 Menschen pro Monat eine Fahrt – Tendenz steigend. Besonders gefragt sind Verbindungen zwischen Stelle und Winsen, aber auch innerorts wird das AST regelmäßig genutzt.
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Alle zwei Stunden – zu wenig für viele Nutzer
Das Prinzip ist einfach: Das Taxi fährt nach einem festen Fahrplan – aber nur, wenn man sich spätestens 60 Minuten vor Abfahrt anmeldet. Das geht online unter www.ast-stelle.de oder telefonisch unter 04174–6162. Wer mag, kann auf der Rückfahrt sogar direkt vor der Haustür aussteigen. Die zentrale Einschränkung: Das AST verkehrt aktuell nur im Zwei-Stunden-Takt. Und genau das ist der Punkt, der vielen Nutzern zu schaffen macht.
„Wenn ich um 10 Uhr zum Arzt fahre, geht’s früh los – aber zurück komme ich dann manchmal erst um 14 Uhr“, berichtet ein Nutzer. Die Gemeinde bekommt zunehmend Rückmeldungen, dass ein dichterer Takt wünschenswert wäre – idealerweise stündlich. Ob und wann dieser Wunsch realisierbar ist, steht noch nicht fest. Klar ist: Die Nachfrage ist da.
Teures Angebot – aber mit spürbarem Nutzen
Auch finanziell hat das AST inzwischen Gewicht: Die Gesamtkosten beliefen sich im Jahr 2024 auf fast 30.000 Euro. Rund 9.000 Euro trägt davon der Landkreis als Zuschuss für den öffentlichen Nahverkehr. Weitere 7.000 Euro kommen durch die Eigenanteile der Fahrgäste zusammen. Der Gemeinde bleibt damit ein Kostenblock von etwa 14.000 Euro – dazu kommen noch die laufenden Personalkosten.
Für diesen Aufwand gibt es aber auch einen echten Gegenwert. Im laufenden Jahr wurden durchschnittlich 395 Fahrten pro Quartal gezählt, mit insgesamt 511 beförderten Personen. Die Zahlen belegen: Das Angebot wird nicht nur genutzt – es wird gebraucht. Gerade für ältere Menschen, Jugendliche oder Menschen ohne Führerschein ist das AST in Stelle ein Stück Freiheit auf vier Rädern.
Fazit: Kleine Maßnahme, große Wirkung
Was einst als Corona-Projekt begann, hat sich zur tragenden Säule der lokalen Mobilität entwickelt. Mit überschaubaren Mitteln hat Stelle ein Angebot geschaffen, das Menschen verbindet – mit dem Supermarkt, mit dem Arzt, mit dem Leben. Und auch wenn das System noch nicht perfekt ist: Der Wunsch nach einer stündlichen Verbindung zeigt, dass die Bürger das AST nicht nur akzeptieren, sondern aktiv mitgestalten wollen.
Bleibt zu hoffen, dass die Politik diesen Impuls aufnimmt – und die richtigen Weichen stellt. Denn gute Ideen verdienen bessere Bedingungen. (cg)








