
Stelle/Winsen (Luhe). Wo stehen die Tassen, wo die Teller? Und warum wirkt das Badezimmer plötzlich fremd? Für Menschen mit Demenz werden alltägliche Situationen oft zur Herausforderung. Wie kleine Veränderungen im Wohnumfeld Sicherheit, Orientierung und Selbstständigkeit zurückgeben können, zeigt die Demenz-Musterwohnung der Diakonie Hamburg. Die Ausstellung ist ab Dienstag, 6. Oktober, im Winsener Kreishaus zu sehen.
Die Musterwohnung öffnet zum Aktionstag der pflegenden Angehörigen ihre Türen und bleibt bis zum 17. Oktober im Foyer vor den Sitzungssälen im Kreishaus B am Schloßplatz 6 in Winsen. Besucher finden dort praxisnahe Anregungen, wie ein normales Zuhause demenzfreundlich gestaltet werden kann.
Bundesweit sind nach Angaben der Alzheimer-Gesellschaft gut 1,8 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt, Tendenz steigend. Häufigste Ursache ist die Alzheimer-Krankheit, die derzeit nicht heilbar ist. Zwei Drittel der Betroffenen wohnen weiterhin im eigenen Zuhause, oft gemeinsam mit Angehörigen, die den Alltag organisieren und begleiten.
Kleine Veränderungen mit großer Wirkung
Demenzerkrankte brauchen viel Sicherheit und Orientierung, gerade wenn das lange vertraute Heim durch die Erkrankung langsam fremd wird. „Oft braucht es keine großen Umbauten. Schon kleine Veränderungen können Menschen mit Demenz helfen, sich zu Hause besser zurechtzufinden”, erklärt die Diakonie Hamburg. „Wichtig ist, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen und gemeinsam zu überlegen, was im Alltag konkret unterstützt.”
Die Ausstellung ist bewusst wie eine gewöhnliche Wohnung eingerichtet. Wohnzimmer, Küche und Badezimmer wirken vertraut, und genau darin liegt die Idee. Besucher sollen alltagstaugliche, kostengünstige Anregungen bekommen, die sich auf die eigenen vier Wände übertragen lassen.
Es sind oft Kleinigkeiten, die das Leben mit Demenz erleichtern. Ein überfülltes Badezimmerregal kann Menschen mit Demenz schnell überfordern. Statt vieler Cremes, Fläschchen und Bürsten helfen klare Strukturen: eine Zahnbürste, ein Kamm oder das vertraute Parfüm, sichtbar und griffbereit. Farbige Toilettensitze oder kontrastreiche Markierungen an Waschbecken und Dusche erleichtern zusätzlich die Orientierung.
Sichtbarkeit hilft dem Gedächtnis
In der Küche sorgen transparente Vorratsdosen, gläserne Topfdeckel oder offene Regale dafür, dass Dinge sichtbar bleiben und so länger im Gedächtnis bleiben. Weniger ist dabei manchmal mehr. Die Musterwohnung zeigt, wie solche einfachen Lösungen dafür sorgen können, dass Betroffene möglichst lange in den vertrauten eigenen vier Wänden bleiben können.
Der Aktionstag der pflegenden Angehörigen am Dienstag, 6. Oktober, beginnt um 15 Uhr im Kreishaus B. Mit der Veranstaltung will der Landkreis Pflegebedürftige und ihre Angehörigen unterstützen. Ein Schwerpunkt liegt auf der pflegerischen Versorgung sowie der rechtlichen und persönlichen Vorausplanung in der letzten Lebensphase.
Es gibt Vorträge über die Leistungen der Pflegeversicherung, das Palliativnetzwerk im Palliativzentrum St. Marianus Bardowick und zur Bestattungsvorsorge. Infostände des Senioren- und PflegeStützpunkts, wir pflegen Niedersachsen, der Kreisseniorenbeirat, die Betreuungsstelle Landkreis Harburg mit Beratung zur Vorsorgevollmacht, die AOK und die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung EUTB sind vertreten. Auch der Ambulante Hospizdienst und die ehrenamtlichen Wohnberater des Senioren- und PflegeStützpunkts bieten Gespräche an.
Ab 19 Uhr kann man seine bereits erstellte Vorsorgevollmacht gegen eine Gebühr von 10 Euro beglaubigen lassen. Termine können bei Isabella Kruppa unter der Rufnummer 04171–693445 oder per E‑Mail an spn@landkreis-harburg.de vereinbart werden. (dh)







